Innovation umsetzen – Mehrwert oder nur Mehraufwand?

– Bericht zum 5. Legal Technology & Innovation Forum –

von Bernhard Fiedler

Das Forum am 13. Dezember war gleichzeitig auch der erste Geburtstag von Legal Technology & Innovation Frankfurt. In dem Jahr hat sich viel getan. Unter anderem ist aus dem Hinterzimmer des Trares (tolles Restaurant, tolle Drinks) das SkyDeck im 30. Stock des Deutsche Bahn Towers im Bahnhofsviertel geworden. Aus rund 40 Teilnehmern sind über das Jahr regelmäßig mehr als 100 Teilnehmer geworden – der Verteiler umfasst inzwischen knapp 1.000 Personen. Auch dieses Mal haben wir uns wieder sehr über ein volles Haus gefreut.

Über 100 Zuschauer im Livestream

Thematisch ging es diesmal um die Frage, wie Innovation zu Mehrwert und nicht nur Mehraufwand führt. Ganz unter diesem Vorzeichen hatten wir uns kurzfristig selbst dazu entschlossen Innovation zu wagen und haben das Forum erstmalig als Livestream übertragen. Trotz unserer recht kurzfristigen Ankündigung (erst zwei Stunden vor der Veranstaltung) hatten wir über 100 Zuschauer, unter anderem aus Berlin und Wien. Auch das Twitter-Feedback war, von ein par Anlaufschwierigkeiten abgesehen,  hervorragend!

Innovate or die!

Nach einer kurzen Begrüßung durch Bernhard Fiedler und einleitenden Worten von Susann Seyfriedvon STP, unserem Sponsor des Abends, legte Darren Cooper von der DB Systel (unserem Gastgeber) mit dem Statement “Innovate or die“ gleich die passende Grundlage. Das Umfeld hätte nicht passender sein können. Rechts neben der Bühne eine riesige Drohne, im Hintergrund die Oracle Overdrive Bahn, daneben die projizierte virtuelle Zugbegleiterin, zwei Meter weiter eine 3D/ VR Demo eines ICE und mindestens ein halbes dutzend VR Kits über den Raum verteilt, oder um es mit Darrens Worten zu sagen “Wenn es die Bahn macht, dann müsst Ihr es auch machen!“.

Einfach ist leider nicht immer richtig

Den Auftakt der inhaltlichen Diskussion machte Tamay Schimang mit einer Einführung in das Thema des Abends. Den Anfang bildete der schon bekannte Gartner Hype Cycle und die Frage, ob bei Legal Tech, nach einigem Tam Tam in den letzten zwei Jahren, die Ernüchterung schon einsetze. 

Im Anschluss daran ging es dann zur eigentlichen Kernfrage “Legal Design vs. produktbezogenes Legal Tech“ und der Erkenntnis, dass der einfache Weg leider häufig doch nicht der richtige ist.

Innovation entsteht nicht durch den Griff ins Softwareregal, sondern durch die Entwicklung neuer und die Verbesserung bestehender Prozesse. Dabei kann selbst beim Prozess des Erkenntnisgewinns auf alternative Wege wie die Abduktion und damit auf Legal Design zurückgegriffen werden. Der Einsatz von Software bildet in der Regel das i-Tüpfelchen am Ende eines längeren Innovationsprozesses.

Das Highlight des Abends bildete das darauffolgende Panel bestehend aus Hariolf Wenzler (Chief Strategy Officer bei Baker in Frankfurt), Dr. Silvio Kupsch (Co-Head Litigation bei PWC) und Dr. Christian Storck (Partner und Global Co-Head Innovation bei 

Linklaters). Los ging es mit einer kurzen Vorstellung mit größtenteils bereits bekannten Feststellungen (beispielsweise, dass die größten Treiber für Innovation in Kanzleien die Mandanten seien) und der interessanten Feststellung eines der Panellisten, dass Innovation in der Kanzlei ab 22:00 starten würde (nämlich dann, wenn das normale Mandatsgeschäft durch sei). Dies lässt eine deutliche Indikation für den Stellenwert von Innovationen im Kanzleialltag zu. Auch war dem einen oder anderen Panellisten eine gewisse Ernüchterung anzumerken, was sich insbesondere durch Feststellungen wie “Sachen ausprobieren kostet Zeit“ und “momentan wenig Spannendes (bei Legal Tech) in Sicht“ zeigte.

Aktive Diskussion – mit allen Teilnehmern

Nach einem etwas allgemeineren Vorfühlen wurde es aber recht schnell konkret als mehrfach die Frage aus dem Publikum danach kam, welchen konkreten Mehrwert unsere Panellisten denn nun durch von ihnen vorangetriebene Innovation erreicht hätten. Hier stachen insbesondere die War-Stories von Hariolf Wenzler heraus, der anhand dreier Beispiel kurz und bündig aufzeigte, 1) wie man es nicht macht, 2) wie man es richtigmacht und 3) wie man es in Zukunft besser macht. Ein anderes Beispiel von Christian Storck betraf ein Brexit Projekt, bei dem Mittels Software rund 20.000 Verträge im Hinblick auf durch den angekündigten Brexit entstehende Rechtsfragen angepasst wurden.

Auch hier wurde festgestellt, dass Kern der Innovationsprozesse im Wesentlichen die Prozesse an sich sind und die Tools nur unterstützen. Insbesondere verändere sich die Art der Arbeit und die Teams würden interdisziplinärer. Sehr zugute kam dem Panel seine doch etwas heterogene Besetzung. So brachte Silvio Kupsch immer wieder und konsequent mit der Mandantensicht eine gehörige Portion Realismus in die Diskussion.

Auch auf die Frage via Twitter, ob Anwälte (in den Großkanzleien) Angst vor Startups haben müssten, waren die Antworten zu 180° diametral. Die eine (eher klassisch anwaltliche) Seite argumentierte damit, dass Startups nur sehr ausgewählte, spezielle und massenhaft vorkommende Rechtsfragen behandeln würden (die Konkurrenz nach dieser Sichtweise sind die drei bis fünf Kanzleien im Juve Handbuch vor und hinter dem eigenen Kanzleinamen). Die andere (eher volkswirtschaftlich geprägte) Seite war hingegen der Ansicht, dass nicht alles in der Rechtsberatung immer so individuell sei, wie allenthalben getan würde und hier doch sehrwohl eine künftige Konkurrenz entstehen könnte.

One more thing…

Am Ende des Abends gab es neben einem kurzen Ausblick auf das kommende Jahr (wird groß) noch das “one more thing“ präsentiert durch Michael Grupp, das Legal Tech Forum! Damit besteht neben den regelmäßigen Veranstaltungen, Beiträgen und Konferenzen erstmals eine Plattform für den dauerhaften Austausch zu den Themen Legal Technology & Innovation. Wir sind gespannt, wie es sich entwickelt!